Mit einer Fläche von 20 Hektar ist der Lagarde-Campus im Bamberger Osten eines der größten innerstädtischen Infrastrukturprojekte Deutschlands. Wo bis zum Jahr 2014 die US Army stationiert war, wird Wohnraum für 2.400 Menschen und Flächen für Gewerbe, Dienstleistungen, Kultur und soziale Einrichtungen geschaffen.
Mit ihrem umweltfreundlichen Wärmekonzept für das neue Bamberger Stadtquartier erregen die Stadtwerke Bamberg überregionale Aufmerksamkeit. Was daran so außergewöhnlich ist, erklären sie Interessierten bei einem Spaziergang über das Gelände. Details zum Wärme- sowie dem Mobilitätskonzept finden sich unten.
Ein Filmbeitrag des BR über das Entwicklungsprojekt findet sich hier: Link
Am Freitag, den 24. April 2026, findet für unseren Verein eine Führung über das Gelände und ein anschließender Austausch zum Thema „Sichere und nachhaltigere Energieversorgung der Zukunft“ statt.
Erfahren Sie, welche Historie hinter dem Gelände steckt und wie die Stadtwerke heute jede Quellen direkt vor Ort nutzen, um 70 Prozent der Wärme mit erneuerbarer Energie zu erzeugen. Die Führung richtet sich vor allem an alle, die an alternativen und zukunftsweisenden Energiekonzepten, aber auch der Geschichte des Geländes interessiert sind.
Es ist eine gemeinsame Anreise mit dem Zug geplant.
Treffpunkt dazu am Bahnhof in Erlangen gegen 11:45 Uhr
Wer individuell anreisen möchte, kann dies ebenfalls tun.
Treffpunkt in Bamberg ist um 12:45 Uhr direkt an der Energiezentrale in der Lorenz-Krapp-Straße 40a.
Die Führung dauert ca. 1,5 – 2 Stunden.
Im Anschluss an die Führung ist ein gemeinsames (spätes) Mittagessen bzw. Kaffeetrinken geplant.
Rückreise ist gegen 17:30 Uhr und Rückankunft gegen 18:00 Uhr in Erlangen.
Die Teilnahme ist kostenlos. Die Kosten der Anreise sind selbst zu tragen.
Es ist zwingend eine Anmeldung erforderlich. Dazu bitte nachfolgendem Link folgen: Link
Weitere Hinweise:
Bei der Führung sollte festes Schuhwerk getragen werden, da es auf dem Gelände noch viele Baustellen gibt.
Zudem sind Schutzhelme und Warnwesten zu tragen, die von den werden von den Stadtwerken gestellt werden.
Vor Ort erhalten wir eine Sicherheitsunterweisung.
Für Personen, die selbst mit dem Auto anreisen: es gibt keine Parkplätze an der Energiezentrale in der Lorenz-Krapp-Straße 40a. Daher versuchen Sie bitte in der Weißenburgstraße oder im weiteren Umfeld zu parken. Eine Skizze finden Sie hier: Link
Detail zum Wärme- und Mobilitätskonzept für Lagarde
Das Wärmekonzept für Lagarde
70 % der Wärme werden vor Ort mit erneuerbaren Energien gewonnen
Lagarde ist ein Zukunftsquartier: Auf dem über 20 Hektar großen Konversionsgelände im Bamberger Osten entsteht ein neues Stadtviertel, das zu den innovativsten in ganz Europa zählt: mit bezahlbarem Wohnraum für ca. 2.400 Menschen, Flachen für Gewerbe, Kultur und sozialen Einrichtungen.
Bei der nachhaltigen Wärmeversorgung des Quartiers nehmen die Stadtwerke Bamberg eine Schlüsselrolle ein, denn sie gewinnen die Wärme für den denkmalgeschützten Bestand und die hoch effizienten Neubauten zu 70 Prozent vor Ort und aus regenerativen Energien.
Mehr noch: Das Wärmeversorgungskonzept ist Blaupause für die nachhaltige Wärmeversorgung in weiteren Quartieren – in Bamberg und dem Rest von Deutschland.
Struktur:
1.200 Wohneinheiten, Büros, Gewerbe, Kultur. Medical Valley, IT-Standort
Bausubstanz:
Neubau und (denkmalgeschützter) Altbau
Wärmebedarf:
8.500 MWh/a im Neubau
1.000 MWh in den Bestandsgebäuden
Auf rund 32.00 qm (19.000 qm unter den Gebäuden in Beton + 13.000 qm in der Freifläche) wird mittels Flächenkollektoren oberflächennahe Erdwärme gesammelt. Sie produzieren 3 Mio. kWh Wärme pro Jahr. In der Summe bilden die Erdkollektoren auf dem Lagarde-Campus das größte innerstädtische Geothermiefeld Deutschlands. Ergänzt werden sie durch bis zu 124 Erdsonden – 74 sind derzeit ausgeführt -, die bis zu 150 Meter in die Tiefe gehen. Sie tragen 900.000 kWh Wärme und Kälte pro Jahr bei. Wärme aus dem Abwasser, das in den Haushalten auf dem Gelände und dem gesamten Ostgebiets Bambergs anfallt, bildet einen der wichtigsten Säulen des Wärmekonzepts: auf einer Länge von 225 Metern wurden im Kanal unterhalb der Zollnerstraße Wärmetauscher eingebaut, die mit einer Wärmeleistung von 1.000 kW ca. 2.700 MWh/a Warme – entspricht 270.000 Liter Öl oder Kubikmeter Erdgas – liefern. Die Abwasserwärme dient auch der Regeneration der Erde rund um die Erdkollektoren und der Speicherung von Wärme in den Kollektoren und in den Sondenfeldern (saisonale Speicher) bis in die nächste Heizperiode, die aus diesen Quellen gewonnene Erd- und Abwasserwärme ist nur durch den Einsatz von dezentralen gebäudeintegrierten Wärmepumpen mit gewohnten Temperaturen für Fußbodenheizung und Warmwasser nutzbar. Sie erzeugen 8.500 MWh thermische Energie. Der Strom für die Wärmepumpen wird über die Photovoltaikanlagen auf den Dächern der Gebäude und der Energiezentrale erzeugt. Insgesamt haben sie eine Spitzenleistung von 3.200 kWp. Überschüssiger Strom, der besonders im Sommer auftritt wird in Warme umgewandelt und in Pufferspeichern in den Häusern (Tagesspeicher) für die Nacht oder den vielleicht nicht so schönen Folgetag gespeichert.
Tageszeitliche und saisonale Schwankungen des PV-Stromangebots und die beim Betrieb anfallenden Wärme werden durch intelligentes Speichermanagement und zwei erdgasbetriebene Blockheizkraftwerke in der erwähnten Energiezentrale ausgeglichen. Sie erzeugen 1.785 MWh elektrische Energie und 2.244 MWh thermische Energie, die in einem 12,5 m hohen 153.000 Liter fassenden Pufferspeicher gespeichert (Wochenspeicher) gespeichert wird. Der Großpufferspeicher, bei Bedarf ergänzt durch Fernwärme, übernimmt die Wärmeversorgung der teilweise Denkmalgeschützten Bestandsgebäude im Lagarde-Campus.
Die Stadtwerke Bamberg investieren 30 Millionen Euro in das Zukunftsquartier. Als wichtiger Baustein der Wärmewende wird das Projekt insgesamt mit 11,6 Millionen Euro im Rahmen des Programms „Modellvorhaben Wärmenetzsysteme 4.0″ durch das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) gefordert. Weitere 1,9 Millionen Euro steuert die Regierung von Oberfranken im Rahmen des Bund-Länder-Programms Wachstum und nachhaltige Erneuerung – Lebenswerte Quartiere gestalten“ für das Gebäude der Energiezentrale bei.
Mehr Bewegungsfreiheit weniger Verkehr – Das Mobilitätskonzept
Ausdruck des Umdenkens bei der Verkehrsinfrastruktur auf dem Lagarde-Campus ist die besondere Auslegung der Stellplatzsatzung: Für maximal 80 Prozent der vorgeschriebenen Quote an Parkplätzen werden Stellplätze gebaut; mindestens 20 Prozent werden durch Mobilitätsservices gedeckt. Dadurch wird weniger Parkraum benõtigt: es kann auf den Bau einer kompletten Parkpalette verzichtet werden!
Dadurch bleibt mehr Raum für andere Nutzungen, die die Aufenthaltsqualität auf dem Lagarde-Campus erhöhen.
Der Mobilitätsservice beinhaltet neben einem Ticket für den Verkehrsverbund Großraum Nürnberg für 20 Jahre auch den Zugriff auf die Mobilitätsstationen in den Parkpaletten, wo ihnen Sharing-Angebote von Elektrofahrzeugen, E-(Lasten)rädern und elektrischen Motorrollern zur Verfügung stehen.
Die ersten Anwohnerinnen und Anwohner in den Gebäuden der Volksbau und die Baugenossenschaften von Haus 15 + 16 können bereits auf die Services per App zugreifen. Diese nutzen die App aktuell als Friendly-User und arbeiten aktiv an der kundenfreundlichen Entwicklung der Services und App mit.