Viele Gemeinden überlegen sich zurzeit im Rahmen ihrer Wärmeplanung, wie die Wärmewende gelingen kann. Dabei wird auch die Errichtung neuer Biomasseheiz(kraft)werke in Erwägung gezogen. Aus Klima-, Umwelt oder Gesundheitsschutzgründen muss davon jedoch abgeraten werden.

Der Mythos „Holzverbrennung ist CO2neutral“
Das Verbrennen von Holz wird immer noch als CO
2-neutral und klimafreundlich bezeichnet. „Das Holz wächst doch im gleichen Umfang nach, wie es verbrannt wird“, wird behauptet. Das trifft aber schon lange nicht mehr zu. Global und seit 2018 auch in Deutschland wird mehr Holz verbraucht oder zerstört, als nachwächst.

Treibhausgasemissionen des Waldes seit 1990

Bild-Quelle: Thünen-Institut (Link)

Die Daten des Bundesforschungsinstituts für Ländliche Räume, Wald und Fischerei (Thünen-Institut) zeigen – der Wald ist ab 2018 zu einer CO2-Quelle geworden.

Hauptursachen hierfür sind vor allem die stark ansteigende Nachfrage nach Holz sowie extreme Witterungsereignisse (z.B. Sturm, Trockenheit) und damit zusammenhängender Kalamitäten (z.B. Schädlingsbefall).

Fazit: Die Waldnutzung ist nicht mehr nachhaltig und das wird langfristig auch so bleiben
Seit 2005 sind ca. 10% der deutschen Waldfläche abgestorben (S4F Dr. Michael Huber, Kurzdossier Waldzustand und Holznutzung national und international S.1),
79% haben Kronenschäden, d.h. sie wachsen langsamer. (Bundeslandwirtschaftsministerium: Link)  

Sinkende Grundwasserspiegel und Dürrejahre nehmen zu und schaden dem Wald zusätzlich. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass die CO2-Bindung des deutschen Waldes in den Jahren 1990 bis 2020 auf ein Sechstel gesunken ist, wie der Treibhausgas-Projektions-Bericht der Bundesregierung für die EU festgestellt. (S4F Dr. Michael Huber, Kurzdossier S.1)

Zudem ist zu berücksichtigen: Je produzierter Wärmeeinheit sind die CO2-Emissionen bei Holz sogar höher als bei fossilen Energieträgern wie Kohle oder Gas. Laut CO₂-Rechner des Umweltbundesamtes betragen die Emissionsfaktoren für Erdgas: 0,257 CO2 e/kWh, Holz-Hackschnitzel 0,343 CO2 e/kWh, Wärmepumpe mit Grünstrom aber nur 0,009 und Wärmepumpe mit Graustrom 0,136 CO2 e/kWh.

Holzverbrennung ist zudem gesundheitsschädlich
Bei der Verbrennung von Holz stoßen Holzkraftwerke große Mengen Feinstaub und andere Giftstoffe aus.
„Aber wir halten doch die Grenzwerte ein“, entgegnen die Befürworter.
Die Grenzwerte für neue Holzheizkraftwerke sind laut 44. Bundes-Immissionsschutz-Verordnung jedoch ein mehrfaches höher als für Gaskraftwerke.
Ein Problem ist zudem, dass Feinstaub lungengängigg ist und in besonderem Maße die Gesundheit beeinträchtigt. Denn: Bei Emissionen aus Kraftwerken ist nicht nur die Masse des Feinstaubs in Gramm entscheidend, sondern vor allem die Anzahl und Größe der Partikel, da ultrafeine Partikel (PM₀.₁–PM₂.₅) besonders tief in die Lunge eindringen und dort gesundheitsschädliche Wirkungen entfalten können. Selbst geringe Massenkonzentrationen können gefährlich sein, wenn sie aus sehr vielen, sehr kleinen Partikeln bestehen, da diese eine enorme Oberfläche pro Gramm besitzen und so verstärkt entzündliche Reaktionen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Krebsrisiken auslösen können. Daher ist bei der Bewertung von Emissionen aus Biomassekraftwerken die Partikelanzahl und -größe aussagekräftiger als die reine Masse. Siehe auch Vortrag von Dr. K.P. Frohmader und H. Horbaschek (2022): Link
Auch vor diesem Hintergrund sind Wärmepumpen-basierte individuelle oder gemeinschaftliche Heizsysteme den Holz- bzw. Holz-Hackschnitzel-basierten Verbrennungsanlagen vorzuziehen.

Wenn Holz entnommen werden muss, dann stofflich nutzen

Anstatt Holz zu verbrennen, muss das Holz so oft und so lange wie möglich stofflich genutzt werden. Zum Beispiel zunächst für den dringend nötigen Holzbau und in der Möbelindustrie, dann für Spanplatten und Papier, und schließlich als Dämmstoff. Diese kaskadische Nutzung sieht auch die Erneuerbare-Energien-Richtlinie der EU vor.

Auch Biogas aus Energiepflanzenanbau ist teuer, klimaschädlich, umweltschädlich und nicht nachhaltig

„Mengenmäßig werden in Biogasanlagen ca. 45 % eigens dafür angebaute nachwachsende Rohstoffe (NawaRo) und ca. 49 % Gülle eingesetzt. Wird die Gärsubstratmenge auf den Gasertrag berechnet liegt der Einsatz von NaWaRO sogar bei ca. 90 %, denn Mais z. B. liefert pro kg Substrat ca. 10-mal mehr Methan als Gülle. (Dossier: Biogas in der Energiewende, Dr. Michael Huber, 2025: Link). Nur zu ca. 6% werden organische Abfälle z. B. aus der Lebensmittelindustrie und kommunalem Biomüll genutzt (FNR, 2023a). 2021 wurde in Deutschland auf 2,65 Mio. Hektar Mais angebaut, davon ca. ein Drittel (0,88 Mio. Hektar) für die Biogasproduktion (FNR, 2022b). […]
Aufgrund

  • des beim Maisanbau aus der Stickstoffdüngung freigesetzten Treibhausgases N2O (ca. 300-mal klimaschädlicher als CO2),

  • des ins Grundwasser auch durch Gülle eingetragenen Nitrats sowie

  • des hohen Grundwasserverbrauchs durch Feldberegnung und

  • der hohen Erosionsrate auf Maisfeldern

ist Biogas auf Basis von Maisanbau klimaschädlich, umweltschädlich und nicht nachhaltig.

Eine Steigerung der Biomassenutzung ist aufgrund der Klima- und Umweltwirkungen des Energiepflanzenanbaus nicht realistisch (Scientists for Future (S4F), 2022d; Umweltbundesamt, 2019). 2020 betrug der Erdgasverbrauch in Deutschland 905 TWh (Scientists for Future, 2022f); demgegenüber steht eine heutige Produktion von Biomethan, also auf Erdgasqualität aufbereitetes Biogas, von 11 TWh. Mit Biomethan ist kein Ersatz des fossilen Erdgases in nennenswertem Umfang möglich. In den aktuellen Langfristszenarien für die Umstellung auf Treibhausgas-Null bis 2045 wird sogar erwartet, dass der Biomasseeinsatz für die Stromerzeugung langfristig gegen Null geht (Sensfuß, 2022). Sinnvoll ist der Einsatz von Biogas langfristig nur, wenn er strengen Nachhaltigkeitskriterien entspricht, indem z. B. ausschließlich Biomasse aus Abfall- und Reststoffen eingesetzt wird. Eventuell könnten die bereits vorhandenen, auf Basis nachwachsender Rohstoffe laufenden Biogasanlagen noch einige Jahre vermehrt zur Deckung von Spitzenlast genutzt werden, um den Ausgleich von Schwankungen bei Wind- und Solarstrom zu unterstützen (Fell und Welteke-Fabricius 2022).“ (S4F Die Wärmewende, S. 86, 2024) 

Tot- und Restholz im Wald belassen
„Zwar setzt die Verrottung toter Bäume bzw. des Schadholzes das im Holz gebundene CO2 frei, aber statt wie beim Verbrennen in Minuten dauert die CO2-Freisetzung beim Verrotten 10 bis 20 Jahre. Und im Unterschied zum Verbrennen bleibt dabei viel Kohlenstoff dauerhaft gebunden. Denn die Pilze und Tiere, die dieses Holz verwerten, wirken ebenfalls als Kohlenstoffspeicher und tragen über die Humusbildung zum Wachstum neuer CO2-bindender Bäume bei. Im Schutz des Totholzes ist der natürliche Nachwuchs oder auch Nachpflanzungen vor Austrocknung und Bodenerosion besser geschützt. Erste Erfolge dieses Rezepts kann man z.B. im Nationalpark Harz besichtigen.“ (Stefan Huber, S4F, Kurzdossier S. 2) 

Die Holzkapazitäten sind ausgeschöpft
Das erkennt man bereits daran, dass der Wald zu einer CO2-Qelle geworden ist. Betrachtet man Holzangebot und -nachfrage auf dem Markt, sieht es scheinbar gut aus. Auf Grund des hohen Anfalls an Schadholz besteht ein hohes Angebot. Das wird jedoch in wenigen Jahren nicht mehr im gleichen Maße zur Verfügung stehen und stellt damit keine nachhaltige Lösung dar. Zudem fehlt das verbrannte Holz dann auch im Bau- und Möbelbereich. Auf der Nachfrageseite ist der Bedarf in den letzten Jahren erheblich gestiegen. Im privaten Bereich hat sich die Anzahl der Pelletheizungen in den letzten zehn Jahren auf 738.000 Anlagen Stand Ende 2024 fast verdoppelt. Siehe Daten hier: Link 

Im kommunalen Bereich sind immer mehr Holzkraftwerke gebaut worden oder geplant. Das ist auch in unserer Region so, wie die Karte aus dem Energieatlas Bayern eindrucksvoll zeigt (Biomasseheiz(kraft)werke und Biomasseheizkraftwerke in dunkelgrün):

Bild-Quelle: Energieatlas Bayern – Der Kartenviewer des Freistaats Bayern: Link

Biomasseheiz(kraft)werke gibt es z.B. in Erlangen-Büchenbach, Weisendorf, Baiersdorf und Adelsdorf. In Röttenbach, Spardorf, Herzogenaurach und Münchaurach sind sie in der Planung.
Dass es für neue Holzkraftwerke keine Holz-Kapazitäten mehr gibt, hat das Umweltbundesamt bereits 2021 festgestellt, dass „aktuell bereits das komplett als für die energetische Nutzung verfügbar angesehene Waldholzpotenzial energetisch genutzt wird, mithin also keine weiteren Potenziale vorhanden sind.“ (Umweltbundesamt Systemische Herausforderung der Wärmewende S. 284, 2021) 

Auch das Verbrennen von Altholz ist keine Alternative
„In der Studie „Biomasseheizkraftwerke in Deutschland bis 2020“ resümiert Trend Research zur Verfügbarkeit von Altholz: „Bei einzelnen Holzfraktionen, wie beispielsweise Altholz, werden die zur Verfügung stehenden Potenziale bereits vollständig ausgeschöpft“ (Piest, 2021). Der NABU (2022) und andere Verbände weisen ebenfalls auf Knappheit hin sowie darauf, dass die Altholzverbrennung in Deutschland den Bedarf an Frischholz für die Herstellung von Spanplatten in die Höhe treibt. Die Verfügbarkeit von Waldholz wiederum wird zunehmend durch den Klimawandel eingeschränkt.“ (S4F, Die Wärmewende, S. 122, 2024)

Fazit

  • Holzverbrennung ist klimaschädlich.

  • Die Verbrennung von fossilen Brennstoffen ist immer ineffizient.

  • Die Verbrennung von Holz setzt hohe Schadstoffkonzentrationen frei.

  • Walderhalt muss vor Waldnutzung gehen!

  • Wenn Holznutzung, dann kaskadisch!

  • Die Kapazitäten für Holz und Altholz sind ausgeschöpft.

  • Konventionelles Biogas ist umwelt- und klimaschädlich.

  • Wenn Tot- und Schadholznutzung dann via Pyrolyse.

Deshalb müssen die sinnvollsten Wärmequellen Solarthermie, Luft, Wasser, Abwärme und Geothermie für Wärmepumpen, Photovoltaik und Wind zur Stromerzeugung für die Wärmepumpen genutzt werden.